Cornelia Härtl – Trennkost-Seminarleiterin, Ernährungsberaterin, Langen/Hessen

Schlank auf Dauer

Die Zahlen sind besorgniserregend. Die Deutschen sind zu dick und werden immer dicker. Über 60 Prozent der deutschen Männer und jede zweite Frau bringen mehr auf die Waage, als gut ist für sie, und auch unsere Kinder werden rund und immer runder. Diätfahrpläne und Fitness-Studios haben Hochkonjunktur und fast jede Woche gibt es eine neue Erkenntnis, eine Pille, eine Diät, die angeblich Wunder wirken soll. Doch die Bevölkerung nimmt immer weiter zu. Die Verwirrung ist verständlicherweise groß. Was und wie sollen Übergewichtige und Gesundheitsbewusste denn essen? Und wie lässt sich das Ganze noch mit Genuss und Lust auf Essen verbinden? Denn Essen soll sättigen und Freude bereiten, sonst hält der Mensch nichts lange durch.

Welche Ernährung macht und hält also nun wirklich schlank, vital und gesund?
Betrachtet man einmal die derzeit hauptsächlich praktizierten Diät- und Ernährungsprogramme, so kann man diese in drei Kategorien einteilen.

Low Cal – Kalorien zählen
Wer mehr verbraucht als er zu sich nimmt, nimmt ab. Diese These wurde in den dreißiger Jahren nach einem kurzen Beobachtungszeitraum aufgestellt und beherrscht die Ernährungsdiskussion seither. Inzwischen werden die Zweifel an der Wirksamkeit dieses Systems immer lauter, denn nachhaltigen Erfolg haben die allerwenigsten Menschen damit gehabt. Der Grund dafür ist, dass Kalorie nicht gleich Kalorie ist.

Fett plus einfache Kohlenhydrate (in Zucker, Getreideprodukten, Kartoffeln) beispielsweise schlägt sich wesentlich stärker auf den Hüften nieder als die gleiche Kalorienanzahl aus Gemüse und Obst

Wer auf Dauer zu wenig isst, bringt unter Umständen seinen gesamten Stoffwechsel durcheinander und nimmt dann überhaupt nicht mehr ab, oder nur noch, wenn er fast nichts mehr zu sich nimmt.
Und – ständige Reduktionskost macht auf Dauer unzufrieden, außerdem kommt man dabei auch nicht von schlechten Ernährungsgewohnheiten los.

Low Fat – Wenig Fett
Die These aus den achtziger Jahren besagt, dass es das Fett ist, das dick macht und man bei hohem Verzehr von Kohlenhydraten aber satt und schlank bleibt. Darauf stützt sich auch die in Deutschland aktuelle Ernährungspyramide. Kartoffeln und Getreideprodukte bilden dabei die Basis und stellen einen großen Anteil an der Ernährung dar. Fett wird bei diesem System stark eingeschränkt.

Obwohl die diversen Low Fat-Varianten einen richtigen Boom zur Folge hatten, in den Regalen der Supermärkte in Form von „light“- und „Low Fat“-Produkten eine wahre Revolution auslösten, stellt nun die Wissenschaft erstaunt fest, dass die Menschen trotzdem immer dicker werden

Der Grund: Kohlenhydrate beeinflussen (im Gegensatz zu Eiweiß und Fett) den Blutzuckerspiegel. Insbesondere einfache Kohlenhydrate (in Brot, Zucker, Kartoffeln) regen die Insulinausschüttung und damit indirekt leider auch die Bildung von Speckpölsterchen besonders stark an. Außerdem machen sie Lust auf mehr. Der Mensch tut sich schwer, auf die Essbremse zu treten, der Teller Spaghetti kann also manchmal einfach nicht groß genug sein.

Sportler brauchen viel einfache Kohlenhydrate
Sie bleiben dennoch schlank, weil sie Kohlenhydrate durch die Muskelarbeit direkt in Energie umwandeln. Leider aber ist diese Nachricht falsch interpretiert worden. Nudeln, Vollkornbrot und Co gehörten bislang auf jeden Diätplan, weil sie doch angeblich „schlank“ und „stark“ machen, statt dessen halfen sie, wenn im Überfluss gegessen, die Fettdepots des Körpers zu füllen.

Low Carb – Wenig Kohlenhydrate Diese These, Kohlenhydrate machen dick, Eiweiß und Fett könnten ungehindert gegessen werden, schlug ein wie eine Bombe und fand zunächst auch viele Anhänger. Am radikalsten wirbt hier die Atkins-Diät für Eiweiß satt. Massenweise Eier, Fleisch und reichlich Fett bei der Zubereitung, kein Brot, keine Nudeln, kein Reis, und erst im Laufe der Zeit ein Quäntchen Obst und Gemüse, ließen allerdings Gesundheitsbewussten die Haare zu Berge stehen. Man sah förmlich den Cholesterinspiegel und das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen ansteigen. Ein solches Ernährungsprogramm wird daher auch von keinem namhaften Ernährungsexperten wirklich empfohlen, aber immer noch kontrovers diskutiert. Die heutigen, weniger extremen Abwandlungen, die sich auf den glykämischen Wert als Dreh- und Angelpunkt der Ernährung fokussieren, wie Glyx, Logi, South Beach und Montignac, sind dabei moderater. Allen gemeinsam: Der Verzicht auf „dicke“ Kohlenhydrate wird propagiert.

Allerdings inzwischen in etwas ausgewogenerer Form.

Übereinstimmend aber wird, wenn auch in unterschiedlicher Quantität, der Verzehr von wertvollen, pflanzlichen Fetten, Obst, Gemüse und Salat von allen Ernährungsexperten empfohlen

Denn, so argumentieren viele Ernährungswissenschaftler, der Mensch ist für den Verzehr von Eiweiß und wertvollen Kohlenhydraten (z.B. in Gemüse, Salat, Obst) geschaffen. Seit der Steinzeit haben wir uns, genetisch gesehen, kaum verändert. Und damals gab es eben Früchte, Wurzeln und hin und wieder ein Stück Fleisch, aber keine Brötchen, keine Nudeln und keinen raffinierten Zucker, und natürlich weder Fast Food noch Tütensuppe!

Heißt es nun also umdenken? Aber wohin? Welcher Weg ist der richtige und welche Variante der unterschiedlichen Ernährungsphilosophien ist auf Dauer auch wirklich umsetzbar? Nie wieder Spaghetti beim Italiener, kein Brot und keine Pellkartoffeln? Oder nie wieder Camembert oder Sahne aufs Dessert? Für viele ganz und gar nicht vorstellbar.